Unterwegs bei Innovationsbetrieben im Kreis

Landesvorsitzende Sandra Detzer verband den Kreisbesuch am Bodensee mit der Besichtigung von zwei Unternehmen. Nach einer kleinen Stärkung im tollen neuen Bioladen des Lehenhofes in Untersiggingen war die erste Besuchsstation das Unternehmen Sonett GmbH in Deggenhausen.

Hier herrscht coronabedingt derzeit Ausnahmezustand, denn der Hersteller von ökologischen Seifen, Waschmitteln und Desinfektionsmitteln nutzt zwar im Dreischichtbetrieb alle zur Verfügung stehenden Produktionskapazitäten, vergibt aber dennoch Lieferkontingente. Vorrangig werden sensible Kundensegmente beliefert, wie Hebammen und Kinderarztpraxen. Gerhard Heid erläuterte die Entwicklung des Betriebes aus der Naturkostbewegung heraus. Der Belastung des Wassers durch Wasch-Chemikalien wollten sie mit innovativen Baustein-Produkten begegnen. Über 100 Menschen arbeiten derzeit bei Sonett, zusätzlich rund 35 Mitarbeitende in der angrenzenden Werkstätte des Lehenhofs finden beim Etikettieren der Waren für den Export (sonett-Labels gibt es in 17 Sprachen) eine Tätigkeit, die sie mit Präzision und Leidenschaft erfüllen. Heid ist es ein großes Anliegen, dass der Profit des Unternehmens der Gesellschaft insgesamt nutzt und nicht Privatkapital wird. Derzeit bindet er Gewinne über eine Unternehmensstiftung, er wünscht sich jedoch eine echte Handelsform, die Verantwortungseigentum unternehmensrechtlich möglich macht. Ein spannender Ansatz, ebenso wie die Mitarbeiterführung bei sonett. Freiheitsfähig sollen seine Mitarbeitenden sein, keine Arbeitskraftverkäufer. Ein beeindruckender Rundgang durch die Abfüllanlagen rundete den Besuch bei Sonett ab.  

Die zweite Anlaufstelle war der Auhof in Stetten. Hier betreiben die Familien Hauser-Pfisterer Obst- und Weinbau in demeter-Qualität sowie ein Gästehaus. Vor zehn Jahren begann Thomas Pfisterer mit dem Umbau hin zur Biolandwirtschaft und hat seither viel experimentiert. Pilzbeständige Sorten zu finden und pestizidfrei zu pflegen, zum Beispiel. Wobei Pfisterer generell den Ansatz verfolgt: nicht die Krankheit bekämpfen, sondern auf die Immunkraft der Pflanzen setzen und diese kontinuierlich zu stärken. Ein belebter Weinberg ist Teil dieses Vorgehens. Noch bis in den Januar hinein beweideten Rinder vom Rengoldshauser Hof seine Weinberge, nun sind Hühner im Einsatz. Demnächst sollen auch Schafe hinzukommen. Ganz bewusst gestaltet er auch die Rebreihen mit Unterbrechungen. Mittendrin wurzeln ein Nadelbäume oder andere vogelfreundliche Gewächse. Bei der Tour durch die Rebanlagen erfuhren wir nicht nur von Zeigepflanzen wie Forsythien, sondern auch von Frühwarnpflanzen wie Rosenstöcke, die als erstes Anzeichen von Mehltau zeigen. Natürlich war das Highlight der Besuch von Karl, dem Hahn, der stolz durch die Reben gockelte. Köstlich von den beiden Damen des Hauses umsorgt und bewirtet warben Thomas und Sabine Pfisterer um Verständnis für die Bauernkollegen im konventionellen Anbau. Wichtig seien eine intensive Beratung und Begleitung von Agrarbetrieben, die mehr Ökologie wagen. Und alles braucht seine Zeit. Auch die Umsetzung von ProBiene. In Sachen Agrarförderung wünschen sich Pfisterers eine Ausschüttung von Subventionen gestaffelt nach Humusqualität. Wenn Humusbewahrung zur harten Währung wird, kommt buchstäblich Leben rein. So die Idee. Ein weiteres kontroverses Thema war der Flächenverbrauch der anstehenden B31-Erweiterung. Eine Tunnellösung sei nur vordergründig umweltschonend, so Sabine Pfisterer. Sie sieht darin ebenfalls einen massiven Eingriff in Flora und Fauna. Einen Königsweg gäbe es derzeit nicht, denn die neue Planung greife massiv in den Waldbestand ein. Aber ein guter, konstruktiver Dialog um die beste Lösung ohne verhärtete Fronten ist weiterhin Wunsch und Ziel.